8. German Arab Gulf Dialogue 2026
Deutschland und die Golfstaaten in bewegten Zeiten
Mit Prinz Turki AlFaisal, Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour
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München, 11.09.2026
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Videokunst aus der arabischen Welt stand inzwischen zum zweiten Mal bei der DAFG – Deutsch-Arabischen Freundschaftsgesellschaft e.V. im Mittelpunkt. In Kooperation mit Zuker e.V. wurde am 10. Oktober 2024 die Veranstaltungsreihe „Video Art in the Arab World“ fortgesetzt. Diesmal im Fokus: Videokunst aus Palästina.
Im Gespräch mit DAFG- Vizepräsident Prof. Dr. Claus-Peter Haase, Ahmed Kamel, Direktor von Zuker e.V., und Moderator Mohamed Abdelkarim, selber Künstler und Doktorand and der Akademie der bildenden Künste in Wien, präsentierten die palästinensischen Künstler Essa Grayeb und Amal Al Nakhala einige ihrer Werke.
Die seit 2024 laufende Reihe „Video Art in the Arab World“ lädt Künstler ein, ihre künstlerischen Visionen zu präsentieren und zu diskutieren. Die Reihe möchte dem Publikum einen Einblick in die Kunstszene in arabischen Ländern zu geben und die wachsende Bedeutung der Video Art in der arabischen Welt der deutschen Öffentlichkeit näherbringen.
Essa Grayeb - Das kollektive Gedächtnis erforschen
Mit Essa Grayeb und Amal Al Nakhala wurden in der zweiten Ausgabe der Reihe zwei sehr unterschiedliche Herangehensweisen an Videokunst vorgestellt. Essa Grayeb, palästinensischer bildender Künstler aus Jerusalem, benutzt in seiner künstlerischen Praxis hauptsächlich Fotografie, bewegte Bilder und Installationen, in denen er sich mit der Frage von kollektiver Erinnerung, der Darstellung von historischen Momenten innerhalb dieser kollektiven Erinnerung und der Populärkultur beschäftigt – oft auch im Hinblick auf arabischen Nationalismus und Panarabismus.
"The Return of Osiris"
In seinem Werk “The Return of Osiris” stellt Grayeb die Rede des ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser am 9. Juni 1967 in den Mittelpunkt, in der dieser die Niederlage Ägyptens im Sechstagekrieg verkündete und gleichzeitig seinen Rücktritt bekannt gab. Das von Grayeb selektierte, editierte und neu zusammengestellte Filmmaterial aus verschiedensten ägyptischen Filmen und Fernsehsendungen unterschiedlichster Epochen rekonstruiert die Rede und ihre enorme Auswirkung auf die Menschen und die Vision des Panarabismus.
„In meiner künstlerischen Praxis,“ so Grayeb, „interessiert mich vor allem wie dieser historische Moment dargestellt wird – in der populären Kultur, im ägyptischen Kino, das sehr reflexiv ist und eng mit der Realität reagiert. Wie erinnert man sich an Geschichte, wie sprechen wir über Geschichte und wie stellt das Kino diese große Niederlage dar?“
Der Osiris-Mythos als Metapher für Videokunst
Der titelgebende ägyptische Gott Osiris steht für Grayeb metaphorisch auch für den Prozess hinter seiner Videokunst: Osiris wird von seinem Bruder Seth getötet, sein Leichnam zerteilt und seine Körperteile in ganz Ägypten verteilt. Osiris Frau und Schwester, Isis, sammelt die Körperteile ein und fügt sie wieder zusammen. Wie Isis sammelt Grayeb die verschiedenen, verstreuten filmischen Interpretationen der „ikonischen Rede, die für die verschiedensten Ziele, in unterschiedlichen Sprachen und Produktionen genutzt wurden“ und fügt sie zu einem neuen Werk zusammen.
Amal Al Nakhala - Kunst aus dem Inneren
Im Gegensatz dazu steht Amal Al Nakhalas Kunst. Die palästinensische Künstlerin aus Gaza, die zurzeit in Kairo lebt, fügt in ihren ersten drei Filmen „Chair“, „Shapes“ und „Waiting Room“ reduzierte Schwarz-Weiß Zeichnungen zu kurzen, eindringlichen Filmen zusammen, die nur mit Musik unterlegt und durch kurze, prägnante Fragen und Sätze verbunden sind. Die emotional ausdrucksstarken, fantasievollen Filme setzen sich mit Fragen von Verlust, Warten und Erwartungen auseinander.
In dem längeren Film „Limitless“ setzt sie neben ihren ausdrucksstarken, auf wenige Striche und Schraffuren beschränkten Zeichnungen auch einen geflüsterten Monolog ein, in dem die Erzählerin sich mit inneren Ängsten und Identitätsfragen auseinandersetzt. Ihre Kunst, so Al Nakhala, speist sich aus persönlichen Erlebnissen, Erfahrungen, Gefühlen: so entstand der Film „Chair“ aus dem Gefühl des Verlusts nach dem Tod ihrer Großeltern – der leere Stuhl der Großmutter, des Großvaters, auf dessen Rückkehr man vergeblich wartet und die man doch erwartet.
Persönlich oder politisch?
Und doch, so unterstrich Ahmed Kamel in der anschließenden Diskussion, auch wenn Al Nakhalas ihre Werke eher persönlich denn politisch sieht, so kann man es doch ohne das Wissen um diesen persönlichen Kontext als sehr politisch begreifen. Eine Sicht, die Essa Grayeb unterstreicht, denn so, Grayeb, „als palästinensische Kunstschaffenden haben wir nicht das Privileg, uns mit etwas zu befassen, das nicht politisch ist, denn alles, was mit dem wir uns auseinandersetzen, ist mit Realität durchtränkt.“
Auseinandersetzung mit Identität und Existenz
Diese Auseinandersetzung mit dieser Realität ist bei beiden Künstlern fundamental unterschiedlich: Grayeb sammelt und editiert schon vorhandenes Material – seine Videokunst ist, so Kamel, „ein vielschichtiges Konstrukt einer anderen Darstellung einer anderen Darstellung“, während Amals Herangehensweise direkter ist, introspektiver und persönlicher. Trotz dieses Kontrastes in der künstlerischen Praxis haben aber Grayeb und Al Nakhala eines gemeinsam: Die Idee der Existenz, die Auseinandersetzung mit Fragen der Existenz und Identität bilden den Kern ihrer Arbeit.
Eine Frage, die für palästinensische Künstlerinnen und Künstler seit Jahrzehnten die dringendste, die alles durchdringenden Frage ist und wohl auch in Zukunft weiter bleibt.
Die Reihe „Video Art in the Arab World“ wird auch 2025 in Kooperation mit Zuker e.V. weitergeführt.
Zuker e.V. setzt sich seit 2016 für den kulturellen Austausch zwischen Europa und der arabischen Welt ein, vernetzt Künstler aus beiden Regionen und fördert so das Verständnis zwischen ihren Gesellschaften.
Tuesday, 13 October 2026, 18:00 hrs.
DAFG e.V., Wallstr. 61, 10179 Berlin
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...immer Montags um 18:15 (ab 24.08.2026)
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Anfang Oktober heißt es wieder Vorhang auf für den arabischen Film in Stuttgart/Tübingen
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